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Zusammenfassung und Schlussfolgerungen


Hans-Peter Bursig
Geschäftsführer
Fachverband Elektromedizinische Technik
im ZVEI, Frankfurt am Main
24. Februar 2003


 


Der Klinikmarkt steht durch das DRG-System vor tiefgreifenden Veränderungen. Ein System mit festen Preisen bringt mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Die Kliniken müssen ihre Kosten an den Festpreisen ausrichten. Veränderungen und Investitionen, welche die Effizienz erhöhen, sind deshalb unverzichtbar.


Jedes Krankenhaus benötigt eine realistische betriebswirtschaftliche Kalkulation einzelner Leistungen als Grundlage. Das eigene Leistungsangebot muss kritisch überprüft und, falls notwendig, angepasst werden. Dieser Prozess wird in den nächsten Jahren die Management-Kapazitäten in den Krankenhäusern stark beanspruchen.


Die duale Finanzierung der Krankenhäuser wird vorerst weiter bestehen. Das gilt aber auch für die schwierige finanzielle Situation der Länder. Rationalisierungsinvestitionen müssen deshalb aus eigenen Erträgen oder Zuschüssen Dritter finanziert werden (Träger, Förderer). Eigene Mittel werden deshalb zu einer wichtigen Quelle zur Finanzierung der notwendigen Reorganisation der Krankenhäuser!


Ohne die Möglichkeit, die Reorganisation aktiv zu gestalten und zu finanzieren, können die notwendigen Veränderung weder angestoßen noch erfolgreich umgesetzt werden. Hieraus ergeben sich Möglichkeiten, aber auch besondere Herausforderungen für neue Kooperationen und Partnerschaften zwischen Industrie und Krankenhäusern.


Die Industrie kann beispielsweise ihr Wissen über den optimalen Einsatz der eigenen Produkte oder die Erfahrung aus Projekten in anderen Krankenhäusern als Beitrag in eine Partnerschaft einbringen. Dadurch kann besonders das Management eines Krankenhauses entlastet werden, um sich auf die interne Umsetzung des Projekts zu konzentrieren.


Während der Veranstaltung wurde auch deutlich, dass die Vermittlung dieser Erfahrungen und der dazugehörigen Management-Prozesse in den Krankenhäusern auf starkes Interesse stößt.

Die individuellen Probleme, vor denen jedes Krankenhaus steht, behindern aber die Entwicklung standardisierter Lösungen. Klinikketten können hier durch verbindliche Vorgaben für alle zugehörigen Häuser aus Sicht der Industrie zu interessanten Partnern werden. Kooperationen sollten auf jeden Fall von allen Beteiligten gründlich geprüft werden. Dabei sollten auch rechtliche Fragestellungen ausreichend berücksichtigt werden.


Bei den Verhandlungen über Partnerschaften und Kooperationen müssen besonders die jeweiligen Erwartungshaltungen geklärt werden. Die Möglichkeit der Industrie, konkrete Entwicklungspartnerschaften einzugehen, z.B. als Auftraggeber für klinische Forschungsprojekte, ist beschränkt. Die Unterstützung von Veränderungsprozessen oder "Process Re-Engineering"-Projekten ist aus Sicht vieler Unternehmen dagegen eine Dienstleistung, deren Aufwand durch einen entsprechenden Ertrag gerechtfertigt werden muss.


Ein sinnvoller und effizienter Einsatz von Medizintechnik ist in zunehmendem Maß nur durch Kooperation und Erfahrungsaustausch möglich. Dadurch wird die Wertschöpfungskette von Produkt und medizinischer Anwendung zumindest teilweise neu definiert


 


Insgesamt ergeben sich aus den Vorträgen und der Diskussion die folgenden 10 Punkte als Resümee und Ausblick:


 

  • Der Kunde Krankenhaus steht vor einer komplexen Managementaufgabe, die seine Aufmerksamkeit in den nächsten Jahren stark beanspruchen wird. Es geht um das Überleben des eigenen Unternehmens. Das Angebot und das Marketing der Industrie muss sich daran orientieren.
  • Einen Markt findet, was einen Beitrag dazu leistet, Kosten zu optimieren und Strukturen/Abläufe zu verbessern. Nicht das einzelne Produkt ist entscheidend, sondern sein Beitrag zur Wertschöpfungskette DRG bzw. zur erfolgreichen Tätigkeit des Unternehmens Krankenhaus.
  • Immer komplexere Technologie ist ohne enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller kaum noch erfolgreich und zeitnah zu implementieren. Diese Dienstleistung muss aber finanziert werden. Der Preis eines Produktes ist mehr als die Kosten der Herstellung!
  • Kooperationen sind für alle Beteiligten sinnvoll. Aber: Die Abgrenzung von Kooperationen und normalen Lieferungen ist zu klären!
  • Jeder Kunde ist anders und erwartet einen Beitrag zur Lösung seiner individuellen Probleme. Eine genaue Kenntnis der internen Strukturen ist notwendig, um ein attraktives Angebot zu formulieren.
  • Die rechtliche Ausgestaltung darf deshalb nicht vernachlässigt werden!
  • Klinikketten haben eventuell einen Startvorteil bei Kooperationen ("interne Standardisierung"), aber inhaltliche Kompetenz eröffnet auch Chancen für einzelne Kliniken.
  • Echte Kooperationen sind zahlenmäßig beschränkt! Nicht jede Klinik kann strategischer Partner für Geräteentwicklung werden.
  • Beide Seiten profitieren vom Erfahrungsaustausch, aber diesen einfach und für alle Beteiligten lohnend zu organisieren ist bisher nicht gelungen.
  • Die Kernkompetenzen von Krankenhäusern und Industrie verändern sich und bewegen sich aufeinander zu. Die Wertschöpfungskette wird teilweise neu definiert. Diese Veränderung zu gestalten ist eine Herausforderung für beide Seiten!
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